… und Europa schaut weg

Mit Bestürzung erreichten uns in den letzten Tagen Berichte von gezielten staatlichen Verfolgungen und großflächigen Razzien gegen Homosexuelle in Tschetschenien. Die Zeitung „Novaya Gazeta“ erhielt zahlreiche Informationen und berichtete schließlich von über 100 verschleppten Homosexuellen und von mindestens drei namentlich bekannten Toten.

Insbesondere schockieren uns die offen menschenverachtenden Dementis aus Russland, die die „Säuberungsaktionen“ zwar bestreiten, aber im gleichen Atemzug Homosexualität leugnen und verurteilen. Heda Saratow vom Menschenrechtsrat der Republik habe nichts von Verfolgungen gehört und meint: „Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch in Tschetschenien, der Traditionen und sich selbst achtet, alles tun wird, damit wir keine solchen Menschen haben.“ Der tschetschenische Präsident Kadyrow ließ mitteilen: „Es ist unmöglich, jene zu verfolgen, die es in der Republik gar nicht gibt. Falls solche Menschen in Tschetschenien existieren würden, hätten ihre Verwandten sie zu einem Ort geschickt, von dem sie nicht zurückkehren können“. Auch der Kreml fühlt sich nicht zuständig und verweist auf die örtlichen Strafverfolgungsbehörden.

Unsere Gedanken und Solidarität sind bei allen Opfern*, Angehörigen* und Aktivist*innen in Russland und ihren autonomen Teilrepubliken. Wir fordern umfassende Aufklärung der Ereignisse und alle diplomatischen Anstrengungen der Bundesregierung und der EU gegenüber Russland und Tschetschenien. Im Übrigen sollen russische und osteuropäische LSBTTIQA-Aktivist*innen und Vorbände unterstützt werden und Betroffene hier Schutz suchen dürfen.

Das „Russian LGBT Network“ hat eine Notfallhotline und ein Evakuierungsteam vor Ort: http://lgbtnet.org/…/statement-russian-lgbt-networks-board

Ursprünglicher Artikel (russisch): http://www.novayagazeta.ru/…ubiystvo-chesti

Foto: Maria Komarova, Gay Pride St. Petersburg 2014