Homophobie? Doch nicht in Freiburg!

PM zum homofeindlichen Übergriff im Januar 2016

"Zwei gesplitterte Backenzähne, ein gebrochener Orbitalknochen, eine gebrochene Nase und eine Platzwunde. Die Konsequenzen eines gleichgeschlechtlichen Kusses im Zentrum Freiburgs. Der Preis dafür, dass ein Mann seinen Freund geküsst hat."
Mit diesen Worten begann unsere Pressemitteilung zu einem homofeindlichen Übergriff in Freiburgs Innenstadt im April 2015.
Und wieder müssen wir uns mit eindringlichen Worten an die Öffentlichkeit wenden.

Dass Ausgrenzung und Gewalt in Freiburg leider zum Erfahrungshorizont vieler Homosexueller gehören, mussten wir auch direkt zu Beginn des neuen Jahres erfahren.

Wieder einmal gab es homofeindliche Übergriffe in Freiburg. Laut Pressemeldungen wurde in den frühen Morgenstunden des 01.01.2016 gegen 1 Uhr am Holzmarkt in der Freiburger Innenstadt ein schwules Paar von einer Gruppe junger Männer zusammen geschlagen und mit Worten wie z.B. "Schwuchtel" beschimpft. Auf Fotos von Passant_innen ist zu sehen, dass selbst dann noch auf die beiden eingetreten wurde als diese bereits auf dem Boden lagen. Beide erlitten Verletzungen, Platzwunden und Prellungen. Einer von beiden musste mit einem Knochenbruch am Auge im Krankenhaus operiert werden. Nur wenige Meter entfernt und wenige Stunden später wurde eine Dragqueen und ihr Begleiter mit den Worten "Scheiß schwule Transe, ich box dich weg" von einem Mann attackiert, wobei ihr Begleiter ins Gesicht geschlagen wurde.

Das Jahr fängt ja gut an…

Homofeindliche Gewalt in einer Stadt, die sich so gerne mit dem Label der Toleranz und alternativem Lifestyle schmückt. Leider ist die geschehene Gewalt überhaupt nicht neu. Der Vorfall von vergangener Woche wurde, wie auch schon die Vorfälle aus dem letzten Jahr, medial aufgearbeitet. Queer.de und die Badische Zeitung berichteten. Doch was passiert weiter. Sollen wir uns an solche Vorfälle gewöhnen? Soll die Berichterstattung über homo- und transfeindliche Gewalt in Freiburg zum traurigen Alltag werden?

Ein Mann küsst einen Mann. Eine Frau küsst eine Frau. In der Innenstadt Freiburgs.

Pfiffe und blöde Kommentare sind hier üblicherweise zu erwarten – "bestenfalls". Doch wie sollen wir mit diesem feindseligen Normalzustand umgehen? Sollen wir froh sein, wenn "nur" Beleidigungen oder Pfiffe kommen? Sollen wir froh sein, wenn die Angriffe "nur" verbal bleiben? Sollen wir froh sein, wenn wir nicht krankenhausreif geschlagen werden?

Es reicht!

Wir sind traurig darüber, dass es offenbar nicht für alle Menschen in Freiburg möglich ist Liebe und Zuneigung für einen anderen auch im öffentlichen Raum zeigen zu können. Wir sind traurig darüber, dass die Heteronorm offenbar darüber bestimmt wer sich in der Öffentlichkeit küssen darf und wer nicht. Wir sind immer wieder fassungslos, dass Ablehnung und Hass wieder zunehmend in Gewalt übergehen. Und wir sind wütend darüber, dass homofeindliche Gewalt von stillschweigenden Mehrheiten geduldet wird. Es gibt keinen Grund für Homophobie und schon überhaupt keine Legitimation für Gewalt. Wir fordern alle Menschen auf bei homofeindlicher Gewalt nicht länger wegzuschauen. Mischt euch ein und wehrt euch gegen Ausgrenzung und Übergriffe. Wir fordern alle Club- und Barbetreiber*innen auf, diskriminierendes Verhalten nicht länger zu dulden und Farbe zu bekennen.

Dies ist auch ein Aufruf an alle Menschen die nicht der Heteronorm entsprechen; an alle Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*sexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queere. Lasst euch durch Beleidigungen und Übergriffe nicht einschüchtern! Lebt eure Liebe und euer Leben!

Wir müssen uns nicht verstecken. Und wir dürfen uns nicht verstecken. Wenn Übergriffe den Effekt haben, dass wir uns nur noch im Verborgenen treffen, dass wir uns nur noch hinter verschlossenen Türen küssen, dann haben die Reaktionären ihr Ziel erreicht. Zeigt euch!!! Jeder Kuss ist ein Zeichen für die Liebe! Zusammen sind wir stark. Gegen Homo- und Trans*feindlichkeit.

Diskriminierung stoppen.
Ausgrenzung beenden.
Gewalt verhindern.
Liebe leben.